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Wo in Lippstadt der Himmel wohnt oder Götterdämmerung in Lippstadt?

Der Rokokosaal im Haus Köppelmann (Lange Straße)

Leben, wie Gott in Lippstadt? Ja, das ist möglich – im Haus Köppelmann an der Langen Straße. Bis heute geben sich dort die alten Götter der römischen Antike ihr Stelldichein, und das, obwohl es um sie herum längst still geworden ist. – Zu still.

In diesem heute fast nur noch als Geschäftshaus bekannten Haus gibt es im 1. Stock einen Rokoko-Festsaal, der zu den schönsten in Westfalen gehört. Er stammt noch aus den großartigen Anfängen des Hauses, die mittlerweile fast genauso in Vergessenheit geraten sind, wie der Festsaal selber.

Die älteren Lippstädter können sich zumindest noch an das „Hotel Köppelmann“ erinnern. Dieses Hotel war über Generationen hinweg die 1. Adresse der Stadt.

Viele berühmte Persönlichkeiten übernachteten in diesem feinen Anwesen. Allen voran Friedrich der Große, aber auch der preußische König Friedrich Wilhelm III. sowie der russische Zar Alexander I. Später erwiesen auch zahlreiche Politiker und Präsidenten der Bundesrepublik dem Haus ihre Ehre.

Das Haus Köppelmann war allerdings nicht von Anfang an ein Hotel.

Erbaut wurde es 1721 als repräsentativer adliger Herrschaftssitz des preußischen Festungskommandanten Graf von Redberg. In dieser Zeit entstand auch die prachtvolle Rokoko-Innengestaltung.

1761 kaufte die Familie Zurhelle das Haus. 1795 oder 1800 wechselte das Haus erneut seinen Besitzer. Ein Herr namens Köppelmann betrieb in der Poststraße die Poststation mit einer angrenzenden Herberge. Reisende mit der Postkutsche konnten dort einkehren und übernachten. Mit dem Kauf des Retberg’schen Palais ließ sich der Gasthofbetrieb erweitern. Das Retberg’sche Stadtpalais wurde somit ein Gästehaus für die gehobenen Ansprüche.

Die Küche genoss einen legendären Ruf über die Stadtgrenzen hinaus. Aus dieser Zeit hat sich ein Reim erhalten:

Peter, die Post ist da, Peter steig ein!
Willst du nicht mit mir fahr’n, fahr ich allein
Fahr ich nach Köppelmann, krieg ich Kartöffelkens
Braten und Wein, Braten und Wein!

Ab den 1870er Jahren führte Carl Ostwinkel mit seinen Söhnen das Hotel erfolgreich weiter – bis 1966, dann wurde das Restaurant geschlossen, und das gesamte Erdgeschoss mit seiner einst prachtvollen Rokokoausstattung fiel vollständig der Spitzhacke zum Opfer für den Einbau von Geschäften. Neun Jahre später wurde der Hotelbetrieb ebenfalls aufgegeben. Für einige Jahre blieb der große Festsaal im Obergeschoss immerhin noch als „Café Rokoko“ zugänglich, aber dann war auch damit Schluss.

Seitdem versinkt das einst schönste Haus von Lippstadt in einen Dornröschenschlaf und wartet sehnsüchtig auf Rettung und Wiederentdeckung.

Das Herzstück des Hauses ist sein ehemaliger Festsaal, heute bekannt unter „Rokokosaal“ im 1. Obergeschoss.

Das umfangreiche Bilderprogramm zieht sofort den Besucher in seinen Bann. Fröhliche Gemälde an den Wänden illustrieren das Leben der feinen Gesellschaft im Verlauf der Monate und Jahreszeiten und laden den Betrachter ein, dem lustigen Treiben beizuwohnen. Höfisches Leben und Landleben sind dabei künstlerisch vereint. Denn die Bilder erzählen nicht nur vom eleganten Leben der adligen Hausbesitzer, sondern auch von ihren Träumen über das einfache Landleben.

Zwei Türen rechts und links des Kamins führen in Nebenräume. Die Malereien über den Türen widmen sich den Freuden des Gesellschaftsspiels, sowie dem Genuss von Wein und Pfeifentabak.

Stillleben von Früchten und Weinkaraffen lassen dem Betrachter das Wasser im Munde zusammenlaufen.

Die Tugenden über dem Kamin mahnen, dass bei all dem lustigen Treiben der Anstand gewahrt wird.

Und über allem strahlt die Sonne im Zentrum der Decke.

Um die Sonne herum hat sich die römische Götterfamilie versammelt. Die Szenerie wird von einem Stuckkranz umrahmt, mit den Symbolen der Wochentage, die denen der Götter im Zentrum entsprechen. Zeit und Lebenslust wird in die göttliche Ordnung eingebunden.

Das gesamte Bildprogramm, allen voran die Monatsbilder entlang der Wände, atmet den Geist der Aufklärung durch und durch. Nach den Querelen der Konfessionskriege und dem beschwörenden Pathos des Barock setzte sich nun die Vernunft durch. Vernunft und Aufklärung als kulturelle und gesellschaftliche Leitidee hatte die Menschen in Bewegung gesetzt. Die Aufklärung bewirkte langfristig eine grundlegende Neuordnung auf philosophischer und sozialer sowie politischer Ebene – bis heute.

Damit verbunden war auch der Drang, sich über gesellschaftliche Themen zu unterhalten und auszutauschen. Dies geschah vielerorts in privaten Salons/Treffpunkten, wo man ungeachtet der Schranken von Klasse und Geschlecht frei seine Ideen austauschen konnte.

Ob sich in diesem Saal einst eine Salongesellschaft traf und über die neue aufgeklärte Gesellschaft diskutierte? Wir wissen es nicht. Die Malereien an den Wänden und an der Decke tun dies sehr wohl.

Übrigens wurde Lessings Lustspiel „Minna von Barnhelm“ bereits 1781 in Lippstadt aufgeführt. Darüber berichtete ausführlich die Berliner Litteratur- und Theaterzeitung. In diesem Stück geht es ausgerechnet um die Liebe eines adligen Militärhauptmannes zu einem bürgerlichen Mädchen, in deren Verlauf beide Partner ihre Liebe retten möchten und dafür abwechselnd ihren eigenen Gesellschaftsstand negieren, woraus sich immer wieder schräge Verwicklungen ergeben.
Leider schreibt die Zeitung nicht, wo genau in Lippstadt das Stück aufgeführt wurde.

Der Rokokosaal würde natürlich bestens passen, denn er hätte schon allein mit seinem Bildprogramm den perfekten Rahmen für die Aufführung von Lessings „Minna von Barnhelm“ abgegeben. Außerdem war der Erbauer ebenfalls ein adliger Militärhauptmann. Schließlich war der Rokokosaal damals der wohl schönste Saal Lippstadts und, da Teil des angesehensten Gasthofs Lippstadt, öffentlich zugänglich. Eine Art „Stadttheater“ gab es damals noch nicht.

Der Rokokosaal im Haus Köppelmann ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Malerei und Plastik zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen können. Das Stukkatieren war damals übrigens eine hochgradige künstlerische Tätigkeit, die weit über das Kunsthandwerkliche hinausgeht und ähnliches Ansehen genoss wie Malerei und Architektur.

Wie dem auch sei – Rettung und Wiederentdeckung des Hauses Köppelmann sind dringend nötig. Das Herzstück des Hauses, der „Rokokosaal“, bedarf zudem einer dringenden Restaurierung. Die Ölgemälde an den Wänden sind mittlerweile so nachgedunkelt, dass kaum noch Details zu erkennen sind. Auch der Stuck müsste restauriert werden. Sonst erwartet Lippstadt wohl doch noch seine Götterdämmerung – und die Götter fallen im wahrsten Sinne vom Lippstädter Götterhimmel herunter.

Vielleicht könnte der Rokokosaal eine neue Salonkultur befördern? Der Blick auf die Ideale von Aufklärung und Vernunft mögen gerade auch in Hinblick auf aktuelle gesellschaftliche und politische Entwicklungen eine wichtige Stütze sein.

Davon ganz abgesehen – Kammermusik im Rokokosaal zu erleben, sollte mehr sein als nur ein Traum.

Um diesen besonderen Ort für Lippstadt zu erhalten, müssen wir anerkennen, dass eine private Eigentümergemeinschaft für eine solch große und kostenintensive Verantwortung hoffnungslos überfordert ist. Hier sind kluge Ideen gefragt.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Rokokosaal in Gefahr war. Dass er überhaupt noch existiert, haben wir übrigens Prinz Heinrich von Preußen, Bruder des letzten Kaisers, zu verdanken. Er hatte ihn höchstpersönlich wiederentdeckt. Er kam immer wieder nach Lippstadt und wohnte jedesmal im Hotel Köppelmann. Er liebte die besondere Atmosphäre des Hauses. Besonders der Rokokosaal hatte es ihm angetan, obwohl er damals durch Übermalungen ziemlich verfremdet aussah. Trotzdem erkannte er die besondere Qualität des Rokokosaals. Er bezahlte einen großen Anteil der dringend notwendigen Restaurierung des Saals aus seiner Privatschatulle.

Barbara Birkert und Heinrich Münz



IMFLUSS LIPPE

In der Ausstellung fand ein Fundobjekt aus der Lippe einen besonderen Platz und erinnerte an die Zeit der Lippeschifffahrt, die zunächst Transportzwecken diente und zuletzt der Gewinnung des geschätzten Lippesandes als Baumaterial.
Peter Ferlemann entdeckte das ausgestellte Fragment eines Lippeschiffs auf einer Tauchtour in der Lippe. in einem Gespräch vermittelte er mir, dass das Tauchen in der Lippe eine besondere Aktivität ist, die nicht gerade zum Breitensport zählt. Der folgende Text fasst zusammen wie wir gemeinsam (auf dem Trockenen) „der Lippe auf den Grund gegangen“ sind.
Peter Ferlemann wohnt und arbeitet im Süden der Stadt und taucht seit mehr als zwanzig Jahren. Aus dem Angler wurde nach einigen Lehrgängen ein Taucher, der auch Mitglied im Tauchclub Oktopus ist. Dieser Verein mit mehr als 100 Mitgliedern legt großen Wert auf eine solide Ausbildung und vermittelt die technischen Grundlagen des Tauchens, verleiht auch schon mal Gerätschaften und bietet den Tauchsportfreunden einen Rahmen für gemeinsame Aktivitäten. Tauchen ist ein Hobby, bei dem es auf Sicherheit ankommt, also ist die Gruppe von zwei oder mehr Tauchern die Regel, um Unfälle zu verhüten. Anders als viele seiner Vereinskollegen reizt Peter Ferlemann jedoch nicht nur das Tauchen in heimischen Seen oder in weiter entfernten exotischen Tauchrevieren, sondern gerade das „Kaltwassertauchen“ zu jeder Jahreszeit und besonders in der Lippe und kleinen Baggerseen rund um Lippstadt.
Die Vorbereitung muss sorgfältig sein, denn die Tauchausrüstung wiegt bis zu 40 kg, so dass Route und Zugang nicht zu viel „Landstrecke“ enthalten sollten. Zur Ausrüstung gehören Neopren- oder Trockenanzug, Flossen, Taucherbrille, Schnorchel oder Pressluftgerät, dazu ein Bleigürtel der das „Schweben“ im Wasser ermöglicht. Taucher sollten nicht nur sorgfältig auf den Zustand der Ausrüstung achten, sondern auch fit und gesund sein. Ein jährlicher Medizincheck ist Pflicht und Tauchen bei Schnupfen oder Unwohlsein nicht angeraten. Tauchen in der Nähe von Wehren und Schleusen ist nicht angebracht, ebenso verbietet es sich zu den Brutzeiten verschiedener Wasservögel. Abhilfe schafft da manchmal ein weniger störendes Sichtrohr.
Peter Ferlemann taucht mit einigen Gleichgesinnten in der Lippe und den Baggerseen. Seine Tauchgänge sind geplant und werden in einem Logbuch dokumentiert. Die zweite Person sichert bei einem Tauchgang den Taucher mittels Leine und ist im Notfall einsatzbereit. Unter Wasser ermöglichen Stirnlampe und GPS-Gerät die Orientierung und Verortung, so dass gezielt auch das Leben im Fluss erforscht werden kann. Fotapparat und auch Filmkamera sind bei jedem Tauchgang dabei. Taucher sind also in der Ausübung gesellige Menschen, die besonders geselligen und dazu abgehärteten treffen sich am Heiligabend am Alberssee denn auch zum Tauchen und einer besonderen Weihnachtsfeier.
Seinem großen Ziel, die Lippe von der Quelle bis zur Mündung in den Rhein mit einer engen Kette von Tauchgängen zu erforschen, ist Peter Ferlemann schon ein gutes Stück nähergekommen. Inzwischen taucht er auch im Dienst der Wissenschaft und erforscht die Flora und Fauna im Fluss. Gestochen scharfe Fotos zeigen, dass im Wasser kleinste und kleine Wesen existieren, durchweg in trauter Nachbarschaft oder auch Symbiose. Eine besondere Bachmuschel, ca 6 cm groß, mit dem Namen „Unio crassus“ beschäftigt ihn schon seit ihrer Entdeckung in der Näher von Garfeln im Jahre 2012. Diese kleine Muschel, die entgegen aller Vermutungen doch noch in kleinen Beständen in der Lippe existiert, wird im Rahmen eines Forschungsprojektes mit Unterstützung der Bezirksregierung untersucht. Unio crassus ist unauffällig, aber wie andere einheimische Muschelarten als biologischer Wasserreiniger sehr wirksam. Die kleine Muschel hat viele Feinde, eingewanderte Muscheln und Krebsarten und natürlich den Menschen, der mit seiner Nutzung des Flusses der Muschel zusetzt. Fische verbreiten die Muschelbrut, wenn sie sterben, geht es auch den Muscheln schlecht.
Die Lippe kennt Peter Ferlemann in dem Zustand vor der Renaturierung und natürlich auch im jetzigen Zustand. Er ist begeistert von der Vielfältigkeit des Lebens im Fluss, die mit der Ausweitung, der Anlage von Schleifen, der Schaffung von natürlichen Uferzonen usw. wieder auftrat. Die Tiefe des Flusses liegt zwischen knapp einem Meter in der entfesselten Zone und mehr als 7 Metern in Bereichen, die noch nicht umgestaltet sind. Auch die Tiefwasserzonen werden aber von der Natur genutzt und besetzt. Umgestürzte Bäume und Schilfgürtel sind ideal für Kleinlebewesen, um im Fluss zu leben und zu überleben, wenn Angler und Raubfische ihnen zu Leibe rücken. Auch der Müll, der seit Jahrhunderten immer wieder im Fluss landete, wird Teil der Lebensumwelt von Fischen, Muscheln und Pflanzen.
Funde zu machen ist nicht das oberste Ziel des Tauchers. Ihm geht es um das Erlebnis, die Eindrücke, die Ruhe beim Tauchen und auch die Freude, neue Tiersorten wieder im Fluss entdeckt zu haben. Es sind aber doch manchmal Funde in der Lippe, die die Fische nicht als Lebensraum beanspruchen und die als Müll entsorgt werden sollten. Dazu gehört z.B. eine Natogranate, die, kaum gefunden, dann schon als gefährliches Objekt den zuständigen Behörden gemeldet wurde. Die Polizeitaucher rückten an, unterstützt von Sicherheits –und Rettungskräften, und mit größter Vorsicht wurde das gefährliche Objekt geborgen und entschärft.
Zu den größeren Fundobjekten gehört das schon erwähnte Lippeschiff, das im Schlick der Lippe lag. Das alte Arbeitsboot war irgendwann einmal in der Lippe gesunken und lag so günstig im Ufernähe, dass eine Bergung mit einem starken Bagger möglich wurde. Das komplette Schiff hätte nicht in die Ausstellung gepasst, der ausgestellte Teil wird aber möglichst mit dem Rest zusammen einen Platz in der Stadt finden, so hofft Peter Ferlemann. Das bisher in Benninghausen eingelagerte Schiff bzw. Boot sollte auf keinen Fall auf dem Schrott landen, meint sein Finder.
Andere Objekte bleiben im Fluss, so ein altes Lorenrad, das noch aus der Zeit stammt, als man oberhalb von Lippstadt Raseneisenerz förderte, dies dann flussabwärts verschifft wurde und in Form von Fertigeisenwaren, z.B. Öfen wieder den Lippstädter Raum erreichte.
Die Zusammenarbeit mit den Ausstellungsfachleuten in Lippstadt und Paderborn hat für Peter Ferlemann dazu geführt, dass er nun mit einem „Blick aufs Historische“ taucht, gelegentlich unterstützt von einem der Wissenschaftler, die er jüngst im Rahmen der Ausstellung kennenlernte.
Es gibt Objekte, die im Fluss liegen, die weder Fische noch Taucher brauchen oder wollen, so z.B. ein altes Sofa oder Autobatterien. Die meisten Besucher und Nutzer der Lippe, so hat Peter Ferlemann beobachtet, respektieren den Fluss und freuen sich über erweiterte Freizeitmöglichkeiten. Die anderen, so hofft er, werden es schon noch merken, müssen einfach als negative müllhinterlassende Begleiterscheinung gesehen zu werden. Die Lippe als Wasserlieferant, Transportweg, Mittel zur Verteidigung, Freizeitfaktor und Gewässer ist ein besonderer Fluss, ist sich der Taucher Ferlemann sicher, die Artenvielfalt ist genauso wichtig wie der Hochwasserschutz, und das hat man ja auch bereits erkannt und umgesetzt.
Wir wünschen dem Taucher Peter Ferlemann allzeit gute Sicht und viele Erlebnisse und danken für das Gespräch zum Thema Lippe.
Marlies Wigge

Zum 200. Geburtstag des Metronoms:

Das Metronom - nur ein Taktschläger?
Geschichte und Geschichten rund um das Metronom und seinen wahren Erfinder Dietrich Nikolaus Winkel, geboren 1777 in Lippstadt; gestorben 28. September 1826 in Amsterdam.
Es gehört zu den Phänomenen der Musikausübung, dass ein einfaches Hilfsmittel wie das Metronom die Gemüter von Musikern in größte Aufregung versetzen kann. Die einen halten es für unverzichtbar, andere wähnen bei jedem Schlag den Untergang der musikalischen Fantasie, meist jedoch sind beide Meinungen in einer Person zu einer Art Hassliebe vereint. Untrennbar verbunden ist seine Geschichte mit zwei Namen: Beethoven und Mälzel, der weithin als Erfinder des Metronoms gilt. Dass er bei der Patentanmeldung 1815 nach einem klassischen Know-how-Diebstahl auf die Erfindung des Mechanikerkollegen D.N. Winkel zurückgriff, bleibt dabei fast immer unerwähnt.
Mit diesem Vortrag (siehe Veranstaltungsprogramm am 29.10.2015) soll die Bedeutung des Winkelschen „Urmetronoms“ wie auch die seiner weiteren Erfindungen gewürdigt werden – verbunden mit einer Reverenz an das Metronom zu dessen 200. Geburtstag.
Referent :
Walter Mengler (*1952) studierte Violoncello und Pädagogik in Detmold und Essen. Seit 1978 ist er Cellist im Sinfonieorchester Aachen. Zusätzliche Unterrichtstätigkeit als Lehrbeauftragter für Violoncello und Didaktik an der Musikhochschule Köln. Autor und Herausgeber mehrerer Unterrichtswerke. Mitglied der ESTA (European String Teachers Association). Pädagogische Forschungsarbeiten, unter anderem zum Thema „Linkshändigkeit beim Musizieren“.

Wasserturmführungen

Der Wasserturm war nach seinem Bau Lippstadts höchstes Gebäude und wurde ein Wahrzeichen der Stadt. Im Jahr 1901 wurde das Bauwerk in Betrieb genommen und versorgte Lippstadt fast 80 Jahre mit Trinkwasser. Heute ist der Turm nach seiner Renovierung ein Industriedenkmal.
In dem Turm wurde eine Lichtsäule installiert, die oben in einer gleißenden Illusion, in einer Wolke oder einem Hochnebel endet. Der Wasserturm wird somit zu einem endlos erscheinenden Wolken/Sonnen-Lichtturm. Zugleich verbindet der Künstler Jan-Peter Sonntag die Lichtsäule mit einer Klangkulisse.
Die Besichtigung des Wasserturms ist in den Monaten Okt. – März am 1. und 3. Dienstag um 19.00 Uhr möglich. Die Führung ist kostenlos, um vorherige Anmeldung bei der KWL (Tel. 58515) wird gebeten, da die Teilnehmerzahl begrenzt ist.

Ausstellung zum Hochwasser 1965


Am 16. und 17. Juli des Jahres 1965 wurde das obere Lippegebiet von einem katastrophalen Hochwasser heimgesucht. Die Städte Lippstadt und Paderborn präsentieren zum 50. Jahrestag dieses Ereignisses gemeinsam mit dem Heimatbund Lippstadt die Sonderausstellung „IMFLUSS Lippe - Kultur- und Naturgeschichte einer Flusslandschaft“.
Das Hochwasser von 1965 war prägend für die gesamte Region und ist durch Bild- und Filmmaterial gut dokumentiert. Die hohen Sachschäden und zahlreichen Todesopfer führten zu einer Intensivierung des Hochwasserschutzes mit umfangreichen Baumaßnahmen der Wasserwirtschaft, die das Landschafts- und Stadtbild bis heute prägen.
Die Lippe spielt im Lebensumfeld und für die Lebensqualität der Menschen eine große Rolle. Dieser Umstand nimmt in seiner Bedeutung sicher eher noch zu, wenn man etwa an die Umstrukturierung des erfolgreichen Tourismus-Projekts "Römerroute" zur "Römer-Lippe-Route" denkt. Neben der touristischen Erschließung sind heute auch Naturschutzaspekte sehr wichtig. Die Renaturierung der Lippe trägt dazu bei, dass der Fluss als wertvoller Lebensraum für Flora und Fauna, und auch für den Menschen, wahrgenommen wird.
Die Beziehung des Menschen zum Fluss weist aber nicht nur eine sehr aktuelle Dimension auf, sondern sie hat auch einen kulturgeschichtlichen Tiefgang. Es geht dabei um ein weites inhaltliches Spektrum, von der Lippe als Kultstätte in der Urgeschichte, über die Lippe als entscheidender Verkehrsweg in der Römerzeit und im frühen Industriezeitalter bis hin zur Lippe als Grenze im Mittelalter und als Standortfaktor für Städte, Dörfer und Wasserschlösser. Durch Fossilien eiszeitlicher Tiere wie Mammut, Riesenhirsch und Wollhaarnashorn nimmt die Ausstellung den Besucher mit in die Entstehungszeit der Lippe und ermöglicht außerdem einen Blick in die Welt unter Wasser. In einem eigens erstellten Film wird der gesamte Lippelauf erstmals aus der Luft zu sehen sein.
Dr. Georg Eggenstein
Lippstadt: Städtische Galerie im Rathaus 02.07. - 22.08.2015

Paderborn: Historisches Museum im Marstall 24.07. - 04.10.2015
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