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Sütterlin-Börse

Können Sie noch Sütterlin lesen? Haben Sie Interesse, Familienforschern oder anderen Interessierten beim Lesen alter Dokumente oder Briefe behilflich zu sein? Oder benötigen Sie selbst Hilfe beim Lesen alter Dokumente? Melden Sie sich im Stadtarchiv! Wir bringen Sie zusammen!

Lippstadt, Gründungs- und Hansestadt

Lippstadt liegt im Hansetags-Fieber, einem, das hoffentlich ansteckend ist.


Als Beitrag zum Hansetag haben Antje Busse und Dr. Marlies Wigge ein kleines Buch zum Leben des Bernhard, Edelherr zur Lippe, geschrieben. Die Lebenschronik Bernhards II. zeichnet ein Bild des Stadtgründers, das sich aus fiktiven Berichten, Tagebucheinträgen, Briefen, und Unterhaltungen von Familienmitgliedern und Zeitzeugen zusammensetzt. Illustriert wurde das Buch von Teresa Potthoff, einer Abiturientin der Marienschule.

Faszinierend am Leben des Bernhard zur Lippe ist auf der einen Seite seine unbedingte Treue, vor allem zu sich selbst und seinen Zielen, aber auch zu seiner Familie. Selbst nach der Trennung von seiner Ehefrau hilft er als Mönch und Politiker nach Kräften seinen Kindern bei der Verwirklichung ihrer Träume, die oft wohl auch die Träume des Vaters sind. Bernhard ist der klassische Aufsteiger, ein Mann, der auf stattliche 35 Semester käme, wenn man die Ausbildungszeiten in den diversen Disziplinen Stadtplanung, Wasserwirtschaft, Marketing usw. auflistete. In einer Zeit des politischen Auf- und Umbruchs waren und sind es Multitalente wie er, die ihre Zeit und ihren Ort finden und nutzen. Er war aber wohl auf der Suche nicht nur nach Ruhm und Macht, sondern als gläubiger Christ auf der Suche nach Gott und stets bemüht, seine Lebensbilanz entsprechend zu gestalten.

Es folgt nun ein kleiner Ausschnitt aus dem schon genannten "Bernhard-Buch". Persönliche Beziehungen und Empfehlungen waren wohl im Mittelalter ebenso wichtig wie heute.
Brief des Bernhard zur Lippe an Heinrich den Löwen 1167

Verehrter Herzog,
ich schreibe Euch heute, um Euch eine große Bitte vorzutragen. Ich ersuche um die Gunst, als Euer Gefolgsmann aufgenommen zu werden.
Als der zweitgeborene Sohn des Hermann zur Lippe wuchs ich auf dem Hermelinghof auf. Schon in jungen Jahren schickte man mich zur Ausbildung an die Domschule nach Hildesheim. Das Studium der Schriften machte mir große Freude, ich wollte gern dem Wunsch meiner Eltern folgen und dem geistlichen Stand beitreten.
Leider erfuhr ich vor einigen Tagen, dass mein Vater und mein Bruder, beide mit Namen Hermann, an einer tückischen Krank-heit auf einem Kreuzzug gestorben sind. Der Familienrat hat beschlossen, dass ich nun als der zweite Sohn das Geschlecht derer zur Lippe fortsetzen soll und die Domschule verlassen muss.
Es fällt mir schwer, doch ich bin es meinen Eltern schuldig, zurückzukommen. Ich habe die Weihen noch nicht empfangen, so dass es möglich ist, in das weltliche Leben zurückzukehren.
Verehrter Herzog, es gibt nur ein Problem, das zu lösen Ihr mir helfen könntet. Ich kann zwar Latein und Griechisch, aber es mangelt mir doch noch an vielen Kenntnissen, die ich als Ritter, als Chef des Hauses zur Lippe und als Landbesitzer brauche. Hier in Hildesheim empfahlen mir alle Oberen in der Domschule, mich an Euch zu wenden und vertrauensvoll um die Aufnahme in den Knappenstand zu bitten.
Ihr werdet einwenden, dass ich mit fast 27 Jahren zu alt für diesen Stand bin. Aber seid unbesorgt, ich bin stark und gesund, ich habe als kleiner Junge immer an den Ufern der Lippe Schwertkämpfe mitgemacht, so dass mir einige Grundlagen des Rittertums geläufig sind.
Ich versichere Euch, dass Ihr es nicht bereuen werdet, mich aufgenommen zu haben in Euer Gefolge. Meinen Vater werdet Ihr wohl früher schon einmal bei einer Zusammenkunft getroffen haben, er rühmte stets Eure Taten.
Diesem Bittbrief liegt ein Schreiben meines geistlichen Lehrers und Freundes Alfhard bei. Ich hoffe, von Euch einen zustimmenden Bescheid zu erhalten und erwarte mit Spannung Eure Antwort. Zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch bin ich jederzeit gern bereit.

Bernhard

Wir wissen, dass Bernhard das Bewerbungsgespräch wohl gemeistert hat. Als treuer Anhänger des Welfen Heinrich der Löwe war er fast zwei Jahrzehnte nun der Ritter, als den wir ihn in Lippstadt dargestellt finden.

Dass nur Kampfesmut und Gefolgstreue nicht reichen, wird Bernhard schon bald realisiert haben. Als Diplomat begegnen wir ihm auf dem Hoftag in Mainz, in dessen Folge der Edelherr zur Lippe auch Stadtherr von Lippe werden sollte. Aber Bernhard ist nicht nur der raue Ritter, sondern auch Geistlicher, der sich in seiner zweiten Lebenshälfte seinen Traum erfüllen konnte, ohne die zuvor erreichte Machtbasis aufgeben zu müssen. Seine Frau Heilwig, die ihn aus der Ehe entließ, wird auch nicht die heutige romantische Vorstellung von Ehe im Kopf gehabt haben.

Die Einbindung der Stadt Lippe in die entstehenden Strukturen dessen, was uns als Hansebund bekannt ist, geht zurück auf die Fahrten des Bernhard zur Lippe, der in seiner zweiten Rolle, als Mönch, Missionar, und Botschafter einer christlich motivierten Kolonisierungselite mit Kaufleuten ins Baltikum fuhr. Diese "Kombi-Tour" war nicht nur wirtschaftlich lukrativ für die Teilnehmer, sondern überdies durch päpstliche Anordnung im Rang eines „richtigen" Kreuzzuges ein wichtiger Baustein für die Sicherung des Seelenheils.

Die Hanse in ihrer Wirkung mit dem Konzept der Europäischen Union zu vergleichen, ist nicht neu und kann auch nicht allen historischen Besonderheiten von Zeit und Raum gerecht werden. Es zeigt sich jedoch, dass es damals wie heute wirtschaftliche Motive waren, die dann die Politiker mit einbanden. Bernhard II als Führungspersönlichkeit hätte sich mit den EU-Gründern in seiner Mobilität, seiner Flexibilität und der Hartnäckigkeit, mit der er seine eigenen und die Projekte seines politischen Umfeldes verfolgte, wohl messen können.

Zum 27. Hansetag erwarten wir hier viele Besucher aus allen Teilen Europas. Für einige Besuchergruppen aus den baltischen Staaten, in denen Bernhard II. als Missionar und Pionier mit seinem Zisterzienserorden wirkte, ergibt sich hier in Lippstadt die Möglichkeit, zu den Wurzeln ihrer Hanse- und Stadtgeschichte zu gelangen. Es begann hier in Lippstadt, auf dem Hermelinghof…
Bernhard II. Edelherr zur Lippe - Ein Lebensbild aus dem Mittelalter
Wir hoffen, dass dieses Buch, dessen Vorbereitung uns viel Freude gemacht hat, auch eine positive Resonanz beim Hansetag und darüber hinaus finden wird.
Wir freuen uns auf die Begegnung mit Menschen, die - eine verbindende Idee im Kopf hier in Lippstadt uns und andere Besucher kennenlernen wollen. Miteinander handeln, reden und den Hansetag genießen ein volles Programm für den Hansetag vom 10. bis 13. Mai 2007.

Rückblick

Der Hansetag in Lippstadt im Mai bot in vielen Stadtquartieren und Räumen die Möglichkeit zur Begegnung mit Besuchern, die nicht nur das Programm genossen, sondern auch die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die Stadtführer-AG, die mit großer Flexibilität eine Reihe von Führungen zum Hansetag und darüber hinaus ("Kunstkisten") anbot, konnte mit dazu beitragen, dass der Lippstädter Hansetag ein gelungenes Fest für die ganze Stadt war.

Zwei Tage vor dem Beginn des Hansetags wurde das Buch "Bernhard II. Edler Herr zur Lippe - Ein Lebensbild aus dem Mittelalter" als Beitrag des Heimatbundes der Öffentlichkeit vorgestellt.

Übrigens:


Eine Besucherin aus Lettland fragte mich, was in dem interessanten, efeubewachsenen Gebäude an der Mühlenstraße untergebracht sei, das sie unbedingt fotografieren wollte. Das Parkhaus an der Marktstraße bietet zur Lippe hin tatsächlich einen ungewöhnlichen Anblick, der auf die intensive Begrünung der Betonarchitektur zurückzuführen ist.
Die Hansetag-Besucher, die die vielen alten Häuser bewunderten, sind hoffentlich auch teilweise die Besucher, die nach Lippstadt kommen, um hier einzukaufen und die Atmosphäre in der Altstadt zu genießen. Historische Unverwechselbarkeit ist ein nicht zu unterschätzender Marketingfaktor. Wir können schließlich nicht alle Betonbauten kurzerhand mit Architektentrost oder Efeu begrünen...

Prag

Im September 2008 bietet der Heimatbund eine Reise nach Prag "Auf den Spuren des David Gans" an.

Prag beschrieb Goethe als die schönste Perle in der Krone aller Städte. Sie war und ist Metropole der Kunst und Wissenschaft: Mozarts Don Giovanni wurde hier uraufgeführt, Einstein lehrte an der Universität.
Zu den berühmtesten Prager Gelehrten zählt der in Lippstadt geborene Jude David Gans (1541-1613). Als Mathematiker, Geograph, Astronom und Historiker gilt er als einer der universalen Köpfe seiner Zeit.

Auf dieser Studienfahrt werden wir den Spuren von David Gans folgen. Darüber hinaus erleben wir eine Stadt im Umbruch zu einer modernen Metropole, die aber auch von Jan Hus, vom goldenen Zeitalter unter Kaiser Karl IV. und Rudolf II., von deutscher Besatzung sowie von der Zeit des Sozialismus erzählt. Ein Ausflug führt in das nahe gelegene Theresienstadt. 70 Jahre nach der Zerstörung der Lippstädter Synagoge in der Reichspogromnacht 1938 möchten wir auch der Vernichtung von Juden nach den Ereignissen im November 1938 gedenken.
Die Reise wird von Barbara Birkert, Kunsthistorikerin und Reiseleiterin, inhaltlich gestaltet.
Tel.-Nr. 0 29 41 / 271 77 33.

 

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